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Montag, 10. Dezember 2018
6. Februar 2014 | 13:54

Schmelzpunkt: Warum die Rente mit 63 ungerecht ist

| Schmelzpunkt – die Kolumne auf stahl-blog.de |

Auf den ersten Blick scheint das im Kabinett verabschiedete Rentenpaket doch eine schöne Sache zu sein: Durch die Mütterrente werden nunmehr Erziehungszeiten angerechnet – sofern das Kind vor 1992 geboren wurde, die Erwerbs­minderungs­rente wird erhöht und das Reha-Budget wird aufgestockt. Zusätzlich erhalten jene Arbeitnehmer, die mindestens 45 Beitragsjahre aufweisen können, die Möglichkeit, nunmehr im Alter von 63 Jahren abschlagsfrei in Rente zu gehen [ab Jg. 1964 mit 65].

Rente mit 63 – Eine Rechnung mit vielen Unbekannten

Soweit so gut – doch scheinen die Pläne allenfalls in Zeiten gut gefüllter Rentenkassen eine gute Idee zu sein. Was passiert jedoch, wenn die unumkehrbare Entwicklung des demographischen Wandels weiter vorangeschritten ist? Oder der Staat aufgrund einer schwierigen finanziellen Lage die steuerfinanzierten Zuschüsse nur noch bedingt leisten kann? – Insgesamt gibt es zu viele Unbekannte, die beim Schnüren des Rentenpakets nicht berücksichtigt wurden, hinzu kommt, dass bis heute nicht genau gesagt werden kann, wie viele Arbeitnehmer tatsächlich früher in Rente gehen wollen – kein ganz abwegiger Gedanke in der heutigen Zeit oder ob durch die Anrechnung von Zeiten der Erwerbslosigkeit Frühverrentung zunimmt.

Generationengerechtigkeit: Rente mit 63

Für die jüngeren Generationen, die teilweise noch gar nicht die Möglichkeit hatten und haben, in Form von Wahlen politisch zu partizipieren, sind die Pläne der Bundesregierung ein Schlag in die Magengrube. Bei genauem Blick ist es insgesamt nur eine sehr kleine Bevölkerungsgruppe, die konkret von der früheren Rente profitiert. Denn bezahlt wird diese Maßnahme maßgeblich von den Beitragszahlern (Arbeitnehmer wie Arbeitgeber). Dafür setzt die Bundesregierung die eigentlich gesetzlich festgelegte Verringerung des Beitragssatzes aus und die Rücklagen der Rentenkassen werden entscheidend verringert. Der Generationenvertrag wird somit unterlaufen.

Rentenpolitik mit Augenmaß erforderlich

Was es eigentlich braucht, ist eine Rentenpolitik mit Augenmaß und keine kurzfristig angelegten Interventionen in das Rentensystem, die dessen Funktionalität bedrohen. Wir befinden uns in einer Zeit, in der zum einen flexible Möglichkeiten zum Eintritt in die Rente geschaffen werden müssen – dies ist insbesondere vor dem Hintergrund eines stetig steigenden Fachkräftemangels von großer Bedeutung – auch für die Stahlindustrie.

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Über den Autor: Marvin Bender ist Pressesprecher bei der Wirtschaftsvereinigung Stahl in Düsseldorf.

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