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Donnerstag, 14. Dezember 2017
29. November 2017 | 15:14

Stahl-Überkapazitäten: Lösung des Problems liegt in der Stärkung der Marktwirtschaft

Wenn morgen die Wirtschaftsminister der 20 führenden Industrienationen der Welt (G20) und weiterer stahlproduzierender Länder in Berlin zusammenkommen, geht es um nicht weniger als die Zukunft der globalen Stahlmärkte. Die weltweiten Überkapazitäten haben in Verbindung mit unfairen Praktiken wie Dumping und Subventionen dazu geführt, dass eigentlich wettbewerbsfähige Standorte zunehmend unter Druck geraten sind.

Kapazitätsabbau: Alle Augen sind auf China gerichtet

Dass China eine Schlüsselrolle beim Abbau der weltweiten Überkapazitäten zukommt, ist unbestritten. So hat das Land im Rahmen seiner beispiellos rasanten Industrialisierung mit knapp 1,2 Milliarden Tonnen die Hälfte der weltweiten Stahlkapazitäten aufgebaut. Nahezu ein Viertel kam allein in den letzten sechs Jahren dazu. Als sich der „Stahlhunger“ in China selbst während der letzten Jahre deutlich abschwächte, wurden erhebliche Teile dieser Überkapazitäten zu Dumpingpreisen auf den Weltmärkten abgeladen. Alles andere als ein marktwirtschaftliches Verhalten.

Protektionismus ist der falsche Weg

An den Folgen dieser unfairen Handelspraktiken Chinas und auch weiterer Staaten leidet die globale Stahlindustrie immer stärker: Protektionismus als kurzsichtige und falsche Reaktion lassen marktwirtschaftliches Verhalten und Fairness mehr und mehr zur Ausnahme werden. Erschwerend kommt hinzu, dass die Welthandelsorganisation (WTO) nicht über ausreichende Schutzinstrumente verfügt, um diese Fehlentwicklungen zu korrigieren.

Ohne marktwirtschaftliche Regeln keine Lösung des Problems

Es ist höchste Zeit für einen überzeugenden Plan zur Lösung der globalen Stahlkrise. Dabei ist der internationale Stahlgipfel in Berlin gefordert. Konkrete Regeln sind gefragt: Für einen marktwirtschaftlichen Weg beim Abbau von Überkapazitäten. Für die Beseitigung wettbewerbsverzerrender Subventionen. Das funktioniert nur, wenn ein wirksames Monitoring errichtet wird, mit dem Fortschritte überprüft werden. Aus Sicht der Stahlindustrie in Deutschland müssen unfaire Handelspraktiken und protektionistische Sonderwege endlich der Vergangenheit angehören.

Bis zur Lösung der globalen Stahlstrukturkrise ist es noch ein weiter und beschwerlicher Weg. Daher ist es höchste Zeit, in Berlin die Regeln für eine marktwirtschaftliche Entwicklung beim Stahl zu bestimmen. Im Falle eines Scheiterns könnten sich protektionistische Tendenzen weiter ausbreiten – weit über den Stahl hinaus. Es steht viel auf dem Spiel. In jedem Fall muss sich die Europäische Union konsequent gegen Wettbewerbsverzerrungen und Protektionismus zur Wehr setzen.

 

KerkhoffÜber den Autor: Hans Jürgen Kerkhoff ist Präsident und Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung Stahl und Vorsitzender des Stahlinstituts VDEh.


Beitragsbild: worldsteel / Robert Kolykhalov

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