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Mittwoch, 26. April 2017
23. Februar 2015 | 10:07

Mit dem Klimaschutz-Zug nach Paris

Im Dezember dieses Jahres werden in Paris die Staats- und Regierungschefs zusammenkommen, um über den Folgevertrag für das Kyoto-Protokoll zu verhandeln. Ein neuer Anlauf soll genommen werden, sich für die Zeit ab 2020 zu gemeinsamen Anstrengungen für die Reduzierung des globalen Treibhausgasausstoßes zu verpflichten.

Stahl – Unverzichtbar für den Klimaschutz

Der ehemalige Vorsitzende des UNO-Weltklimarates, Rajendra Pachauri, forderte vor einigen Monaten, der Hochgeschwindigkeitszug zur Minderung der Treibhausgase müsse jetzt losfahren und die ganze Weltgemeinschaft einsteigen. Doch wie funktioniert der Antrieb eines solchen Zuges eigentlich? Ein politischer Beschluss oder gar nur vage Absichtserklärungen reichen hier nicht. Der Zug kann nur dann weit fahren, sein Tempo halten und sein Ziel erreichen, wenn die Klimaschutzpolitik auch von der Industrie und Technik kompetent mitgetragen werden kann.

Entscheidend sind dabei auch Branchen wie die Stahlindustrie, die unverzichtbare Basiswerkstoffe liefern. Moderne Stähle ermöglichen aufgrund ihrer verbesserten Qualitäten emissionsarme Produkte, wie dünne Autobleche, hocheffiziente Turbinen und Generatoren oder wärmedämmende Funktionsfassaden. Dank innovativer Stahlbeschichtungen wird Infrastruktur – von den Brücken bis zu Windparks – langlebiger und somit nachhaltiger. Die 100-prozentige Recyclingfähigkeit des Stahls macht ihn zu einem Material mit einer ausgezeichneten Ökobilanz: Mit jedem weiteren Lebenszyklus werden Emissionen vermieden sowie Energie und Ressourcen gespart.

CO2-Reduzierung – Forschung durch die Stahlindustrie

Zweitens forscht die Stahlindustrie in Deutschland und Europa an neuen Technologien und Verfahren, die Durchbrüche bei der Reduzierung von CO2-Emissionen erzielen sollen. Die Stahlindustrie in Deutschland hat in den vergangenen Jahrzehnten einen gewaltigen Modernisierungsschub vorgenommen und ihre spezifischen CO2-Emissionen – also den CO2-Ausstoß pro Tonne Rohstahl – um über 20 Prozent seit 1990 gesenkt. Nach dem heutigen Stand der Technik sind die CO2-Minderungspotenziale der Branche nur noch gering, denn die moderne Hochofentechnologie mit sehr großen Öfen erreicht Wirkungsgrade von über 90 % und liegt beim Kohlenstoffeinsatz nahe am naturwissenschaftlichen Minimum.

Für bedeutsame Treibhausgasminderungen, die auch wirtschaftlich und im großtechnischen Maßstab umsetzbar sind, bedarf es daher grundlegend neuer Verfahren und Technologien. Um dies zu erreichen, müssen zuallererst erhebliche Forschungsanstrengungen unternommen werden. Auch wenn damit bereits begonnen wurde, so steht auch fest: solche Projekte benötigen viel Zeit und führen nicht in wenigen Jahren zum Erfolg.

Perspektiven für Stahl = Perspektiven für Klimaschutz          

Wenn Klimaschutz ein nachhaltiges und effektives Projekt werden soll – das über die ambitionierten Deklarationen hinausgeht – dann muss er auch Perspektiven für die Grundstoffindustrien bieten. Im Moment besteht die Gefahr, dass die Klimaschutzpolitik diese Branchen aufs Abstellgleis stellt. Klimaschonende Werkstoffe entwickeln und an neuen Verfahren forschen – das sind die zwei bedeutendsten Streckenabschnitte der Zugfahrt Richtung Klimaschutz. Auch der Weltklimarat bestätigt, dass die CO2 Senkung technologischen Fortschritt erfordert.

Die Welt wird auf die Stahlindustrie nicht verzichten können, denn Stahl ist und bleibt essenziell für Städtebau, Infrastruktur und Mobilität. Er kann zwar überall auf der Welt hergestellt werden, aber die Bedingungen für einen Klimabeitrag durch Stahl sind in Deutschland und Europa aufgrund des Know-Hows und des Stellenwerts des Klimaschutzes bei den Unternehmen die besten. Wenn wir hierzulande Spielraum für Forschung, industrielle Energieversorgung und Technologieakzeptanz gewährleisten, wird die Stahlindustrie weiterhin innovative und verlässliche Teile für Hochgeschwindigkeitszüge – im wörtlichen und im übertragenen Sinne – liefern.

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KerkhoffÜber den Autor: Hans Jürgen Kerkhoff ist Präsident und Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung Stahl und Vorsitzender des Stahlinstituts VDEh.

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CO2
COP21
Klimaschutz

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