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Donnerstag, 17. August 2017
8. April 2015 | 10:15

Stahl – Die Lösung für marode Brücken

Rund 650.000 Straßenkilometer mit circa 120.000 Brücken an deutschen Straßen sind Grundvoraussetzung für den reibungslosen Transport von Waren. Der Wirtschaftsstandort Deutschland ist auf eine funktionierende Infrastruktur angewiesen. Doch die Basis unseres Wohlstands ist durch die stetig steigende Verkehrsdichte und durch in der Vergangenheit versäumte Investitionen in die Infrastruktur gefährdet.

Straßenabschnitte sind noch mit vergleichsweise überschaubarem Aufwand zu sanieren oder zu erweitern. Bei Brückenbauwerken ist das ungleich schwieriger. Das zeigt das Beispiel der Autobahnbrücke der A1 über den Rhein bei Leverkusen auf eindrucksvolle Weise. Um eine Vollsperrung zu vermeiden, sind jahrelange Instandsetzungs- und Verstärkungsarbeiten sowie Umleitungen des Schwerlastverkehrs notwendig, ehe dann doch eine neue Autobahnbrücke im Jahre 2023 die alte Querung ersetzen wird. Im Fall der Schiersteiner Brücke war eine sofortige vollständige Sperrung sogar unausweichlich und führte zu einer Aufnahme eines Fährbetriebs zum Passieren des Rheins.

Brücken – mehr belastet als zuvor gedacht

Die in den 1970er Jahren realisierten Brücken aus Stahl bzw. aus Stahl- oder Spannbeton waren für deutlich geringere Verkehrslasten ausgelegt. Insgesamt ist die Verkehrsdichte und insbesondere der Güterverkehr seit 1980 um 500 Prozent gestiegen. Bis 2025 rechnet das Bundesverkehrsministerium mit einer weiteren Zunnahme um 85 Prozent. Das konnten Verkehrs- und Tragwerksplaner in diesem Ausmaß nicht vorhersehen. Die Folge: Zahlreiche Brücken in Deutschland sind heute Sanierungsfälle oder müssen vollständig ersetzt werden. Doch die geplanten Investitionen liegen auf allen Ebenen (Kommune, Land, Bund) deutlich unter dem Investitionsbedarf, was dazu führt, dass der Verfall der Brücken allenfalls verlangsamt werden kann.

Marode Brücken – auch ein Problem für den Bahnverkehr

Auch 25 Prozent der 25.000 Eisenbahnbrücken in Deutschland – rund ein Drittel davon ist älter als 100 Jahre – sind nach Einschätzung des Eisenbahn-Bundesamts marode. Bei 1.400 Brücken sieht Bahnchef Rüdiger Grube dringenden Sanierungsbedarf. Bisher werden aber nur rund 120 Brücken jährlich neu gebaut. Um den akuten Sanierungsstau aufzuheben, müsste aber weitaus mehr geschehen. Geht man davon aus, dass Brücken eine Lebensdauer von durchschnittlich 100 Jahren haben, stünden jedes Jahr 250 Brücken zur Erneuerung an.

Stahlbrücken – tragfähig, langlebig, wartungsarm, wirtschaftlich, umweltverträglich

Die Stahlindustrie und die Stahlbauer in Deutschland haben das Problem erkannt und in den vergangenen Jahren Systeme und Bauteile entwickelt, die äußerst tragfähig, langlebig und wartungsarm sind. Hinzu kommt  – betrachtet man den gesamten Lebenszyklus der Brücke – eine hohe Umweltverträglichkeit. Ein weiterer Faktor, der für den Einsatz von Stahlbrücken spricht, ist der hohe Vorfertigungsgrad, wodurch viel schneller gebaut werden kann. Die vorgefertigte Konstruktion lässt sich z.B. im Zuge einer Nacht- oder Wochenendsperrung einhängen. Verkehrsunterbrechungen können so minimiert werden.

Auch für den Korrosionsschutz von Brückenbauwerken sind innovative Lösungen aus aktuellen Forschungsprojekten entstanden, die die Wirtschaftlichkeit von Brücken in der Nutzungsphase deutlich erhöhen. Im Rahmen eines prämierten Forschungsvorhabens der Forschungsvereinigung Stahlanwendung (FOSTA) konnte nachgewiesen werden, dass der Einsatz einer Feuerverzinkung den Wartungszyklus im Hinblick auf den Korrosionsschutz von bisher 25 Jahren auf 100 Jahre erhöht.

Mit neu entwickelten Stahl- und Stahl-Verbundbrückensystemen lässt sich der anstehende Sanierungsbedarf decken und damit der drohende Verkehrskollaps verhindern. Innovative Lösungen stehen vielfältig zur Verfügung – die Politik ist gefordert, kurzfristig die Weichen für langlebige und wirtschaftliche Konzepte zu stellen.

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Portrait_Hans AllkaemperÜber den Autor: Hans Allkämper ist Technischer Referent bei der Wirtschaftsvereinigung Stahl und dort für das Thema Stahl im Bauwesen zuständig.


Foto: Deutschlands erste vollerschweißte integrale Stahlverbundbrücke mit großformatigen Rundrohren über die Autobahn A73 wurde 2009 mit dem Stahl-Innovationspreis ausgezeichnet (Quelle: Wirtschaftsvereinigung Stahl)

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