stahl-blog.de - Stahl im Fokus

Samstag, 18. November 2017
20. Mai 2015 | 15:40

Stahl aus Deutschland mit Zukunft

| Ein Gastbeitrag von Dr. Josef Auer |

Deutscher Stahl hat auch weiterhin Zukunftschancen in einer global wachsenden Welt, dass ist das Ergebnis einer Studie von Deutsche Bank Research.  Allerdings dürfen dafür die regualtorischen Rahmenbedingungen nicht weiter durch die Politik verschlechtert werden. Zudem müssen einige Herausforderungen bewältigt werden.

Deutsche Stahlindustrie – Optimismus bis 2025

Bis 2025 bieten sich der deutschen Stahlindustrie gute Chancen für eine stabile und wirtschaftlich positive Zukunft. Deutschland wird zwar auch in Zukunft kein Niedriglohnland, und auch das rückläufige Potenzial an Erwerbspersonen belastet. Wir erwarten aber in unserem Hauptszenario eine gewisse politische Vernunft hinsichtlich der Regelungen für die Stahlwirtschaft beim Energiebezug sowie der Fortentwicklung der Klimapolitik. Und da wir zudem global einen gemäßigteren Ausbau der Stahlkapazitäten vor allem in China antizipieren, dürfte die innovative heimische Stahlindustrie eine „schwarze Null“ beim jährlichen Fertigungsanstieg erzielen.

Politische Rahmenbedingungen für die Stahlindustrie müssen stimmen

Wesentlich ungünstiger wären die Perspektiven der deutschen Stahlwirtschaft allerdings, würden von politischer Seite die regulatorischen Rahmenbedingungen verschlechtert werden und/oder die globalen Stahlkapazitäten auch weiterhin – wie in der jüngsten Vergangenheit geschehen – schneller als die Nachfrage steigen. Im Extremszenario „Doppelbelastung“ drohten Deutschland massive Einbußen bei der Stahlproduktion und auch Belastungen der Stahlstandorte durch hohe Energiekosten und klimapolitische Maßnahmen. Dies würde auch die Kunden der Stahlindustrie, insbesondere die Automobilindustrie und Teile des Maschinenbaus treffen.

Herausforderungen müssen bewältigt werden

Mittelfristig steht die Stahlindustrie vor vielerlei Herausforderungen, von der strukturellen Krise in Europa infolge großer Überkapazitäten bis hin zu dem perspektivisch weiter zunehmenden
Substitutionswettbewerb mit Nichteisen-Metallen und Kunststoffen. Der steigende Importdruck insbesondere aus China (und aktuell auch Russland) erfordert zumindest Chancengleichheit auch für europäische Stahlunternehmen im Asiengeschäft, also gleiche regulatorische Bedingungen und Freiheiten wie in Europa. Europa sollte daher auf eine voreilige Aufgabe des bestehenden EU-Handelsschutzinstrumentariums verzichten.

Stahlproduktion in 2015 bei +2 %

Für die deutsche Stahlkonjunktur sind wir 2015 angesichts der letztjährigen Entwicklung der Lagerbestände, der nach wie vor günstigen Perspektiven für die Bauwirtschaft sowie unserer aktuellen Einschätzung der Weltkonjunktur und damit auch der wichtigen heimischen Kundenbranchen Automobilindustrie und Maschinenbau positiv gestimmt. Per Saldo sollte die reale Produktion der innovationsfreudigen Branche Stahl und Eisen 2015 um etwa 2 % gesteigert werden können.

Stahlkonjunktur bleibt „gespalten“

Allerdings bleibt die deutsche Stahlkonjunktur auch im laufenden Jahr „gespalten“, da der günstigen Mengenkonjunktur erheblicher Druck auf der Preisseite entgegenwirkt. Die Stahlpreise belasten nämlich nicht zuletzt die Überkapazitäten in Europa und die weiter steigenden Lieferungen Chinas. In diesem Zusammenhang ist der Produktfokus der deutschen Stahlproduzenten ein besonderer Vorteil, der schon immer auf Innovationen und neue Stahlsorten setzt.

Links

Auer[1]Über den Autor: Dr. Josef Auer ist Analyst im Team „Branchen, Technologie, Ressourcen“ bei der Deutschen Bank Research.

Drucken:
Teilen:

Tags
Konjunktur
Stahlindustrie in Deutschland

Hinterlassen Sie einen Kommentar: