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Samstag, 18. November 2017
13. November 2017 | 16:30

Müngstener Brücke: Die Antwort auf den Eiffelturm

Die Müngstener Brücke feiert in diesem Jahr ihr 120. Jubiläum. Bis heute ist die Stahl-Großbogenbrücke mit einer Höhe von 107 Metern die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands und gilt als Meisterwerk der Ingenieurbaukunst.

Die Müngstener Brücke überspannt die Wupper zwischen den Städten Remscheid und Solingen. In ihr wurden 5.000 Tonnen Stahlprofile verbaut und 950.000 Niete geschlagen. Daher sind Besucher nicht selten überrascht, wie filigran das Bauwerk mit der großen Spannweite in beeindruckender Höhe wirkt. Die Brücke war auch eine Antwort hoher deutscher Ingenieurskunst auf den Eiffelturm in Paris.

Kaiser Wilhelm I. als ursprünglicher Namensgeber

Die Gedenktafel am Fuße der Müngstener Brücke erinnert an den Besuch von Kaiser Wilhelm II. im Jahre 1899. (Foto: Carolin Marienfeld)

Die Brücke wurde im Zeitraum von 1893 bis 1897 zu Ehren Kaiser Wilhelm I. gebaut. Bis zum Ende der Monarchie im Jahre 1918 trug das Bauwerk daher auch den Namen „Kaiser-Wilhelm-Brücke“. Danach wurde es nach der nahegelegenen Siedlung Müngsten benannt, die es so nicht mehr gibt. Heutzutage ist mit der Bezeichnung Müngsten nur noch der Ort gemeint, an dem die Grenzen der Städte Solingen, Wuppertal und Remscheid aufeinander treffen.

Kaiser Wilhelm II. soll der feierlichen Eröffnung ferngeblieben sein, weil die Brücke nicht nach ihm, sondern nach seinem Großvater benannt worden war. 1899 holte er den Besuch aber nach. Eine Gedenktafel am Fuße der Brücke erinnert noch heute an den Besuch des Kaisers.

Sensationelle Konstruktionsweise: der freie Vorbau

Die eigentliche Sensation war damals nicht nur das Bauwerk selbst, sondern auch dessen Konstruktionsweise: Die Müngstener Talbrücke war das erste größere Brückenbauwerk der Welt, das im freien Vorbau errichtet wurde. Erstmals wurde also eine Brücke von beiden Ufern beginnend zur Mitte hin montiert.

Das klassische Verfahren zum Bau einer Bogenbrücke bestand nämlich über viele Jahrhunderte in der Verwendung eines Lehrgerüsts, welches den Bogen stützte bis er vollständig geschlossen war und seine Tragfähigkeit entfalten konnte. Der freie Vorbau mit einer Rückverankerung durch Stahlseile hatte den Vorteil, dass auf das teure und aufwändige Lehrgerüst verzichtet werden und darüber hinaus viel Zeit gespart werden konnte. So bewegten sich beim gerüstlosen Brückenvorbauverfahren beide Brückenseiten aufeinander zu. Die benötigten Bauteile wurden mit Kranen nach oben gezogen und vernietet.

Von der Brücke aus haben Bahnfahrer der Linie S7 einen tollen Ausblick auf das grüne Tal und die Wupper. (Foto: Carolin Marienfeld)

Mit der Bahn fahrend können Besucher auch heute noch den Blick von der Brücke ins grüne Tal genießen. Die Müngstener Brücke ist ein gutes Beispiel für die hohe Tragfähigkeit von Stahl seit 120 Jahren. Der „Müngstener“ (S7) ist die reguläre Verbindung zwischen dem Solinger und Wuppertaler Hauptbahnhof über Remscheid.

 

 

 

 

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Über die Autorin: Carolin Marienfeld ist Volontärin im Bereich Kommunikation im Stahl-Zentrum in Düsseldorf.


Titelbild: Hans Allkämper

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Brücken
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