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Donnerstag, 14. Dezember 2017
18. Oktober 2017 | 14:17

Mit Stahltoren den Sturmfluten trotzen

„Wer unter sich die Gezeiten durch das Oosterschelde Sturmflutwehr fließen sieht, kann sich vorstellen, welchen beeindruckenden Kräften das Bauwerk bei Sturmfluten trotzen muss.“

Diese Gedanken kamen mir in den Sinn, als ich in der niederländischen Provinz Zeeland ein hochmodernes und weltweit einzigartiges Sperrwerk gegen Sturmfluten besuchte. Während einer Fahrradtour über das Bollwerk aus Beton und Stahl wurde mir das Ausmaß der Konstruktion erst richtig bewusst. Auf einer Länge von etwa acht Kilometern schützten Damm und Wehr im Bereich der Oosterschelde die Einheimischen und Touristen vor Sturmfluten.

Sturmfluten und Hochwasserschutz

Auslöser für den Bau der Sturmflutwehr in diesem Gebiet war eine Hochwasserkatastrophe im Jahre 1953, die etwa 200.000 Hektar der Niederlande überflutete und bei der fast 2.000 Menschen starben. Es war das Startzeichen zum Bau der Deltawerke für besseren Schutz gegen das unberechenbare Meer. Die Deltawerke bestehen aus neun Dämmen und vier Schleusen, die von 1958 bis Ende der 1990er Jahre in den niederländischen Provinzen Zeeland, Süd-Holland und Nord-Brabant gebaut wurden. Sie riegeln die Küsten im Südwesten des Landes ab. Das Oosterschelde Sturmflutwehr in Zeeland ist das größte Bauwerk der Deltawerke. Über drei Kilometer erstreckt sich das Wehr an der Oosterschelde. Das Bauwerk, teils Deich und teils mobile Sperranlage, wurde zwischen den Inseln Schouwen-Duiveland und Noord-Beveland errichtet. Zunächst sollte die Schließung im Bereich der Oosterschelde nur in Form eines festen Damms erfolgen, der bis 1973 bereits auf einer Länge von fünf Kilometern fertig gestellt worden war. Umweltpolitische Bedenken führten 1977 aber zu einer Korrektur des Konzepts: Die neuen Pläne sahen ein System aus beweglichen Sperren aus Stahl auf den restlichen Kilometern der Strecke vor. Diese Stahltore sollten unter normalen Witterungsbedingungen geöffnet bleiben, um die natürlichen Meerwasser-Gezeiten und die Fischerei zu erhalten. Nur bei Sturm werden die Tore geschlossen, was die Sicherheit des Hinterlandes garantiert.

Beeindruckendes Bauwerk aus Stahl und Beton

Das Sturmflutwehr an der Oosterschelde hat 62 Stahltore, die bei Hochwassergefahr geschlossen werden können. (Foto: Carolin Marienfeld)

Das hochkomplexe Bauwerk wurde 1986 fertiggestellt. Es besteht aus 65 riesigen Betonpfeilern mit insgesamt 62 mobilen Toren aus Stahl dazwischen. Diese sogenannten Tafelschütze regeln die Wasserzufuhr und können innerhalb einer Stunde geschlossen werden. Sie sind jeweils etwa 40 Meter breit und wiegen bis zu 500 Tonnen.

Wer beeindruckende Ingenieurskunst für Hochwasserschutz sehen möchte, dem kann ich einen Besuch des Oosterschelde Sturmflutwehrs nur empfehlen.

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Über die Autorin: Carolin Marienfeld ist Volontärin im Bereich Kommunikation im Stahl-Zentrum in Düsseldorf.


Titelbild: Carolin Marienfeld

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Tags
Brücken
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Umweltschutz

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