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Montag, 20. Februar 2017
21. Januar 2015 | 10:03

Kunst am Bau – Stahlanwendung mal anders

| Ein Gastbeitrag von Eva Hinz |

Dass bei dem Bau eines Gebäudes eine größere Menge Stahl eingesetzt wird, sollte nichts Besonderes sein. Dass aber gleich 18 Tonnen wetterfester Baustahl alleine für eine Skulptur verwendet werden, ist dann doch ungewöhnlich. Allerdings handelt es sich auch nicht um irgendeinen Bau, sondern um die neue Zentrale des Bundesnachrichtendienstes (BND) in der Berliner Chausseestraße. Wie bei allen Neubauten des Bundes wird ein Teil der Gelder für Kunstprojekte im Rahmen von „Kunst am Bau“ investiert. Das Gebäude wird zwar erst 2016 eingeweiht, die Skulptur „o.T.“ (ohne Titel) wurde aber bereits 2012 aufgestellt. Kreiert wurde sie von dem Künstler Stefan Sous, der an der Düsseldorfer Kunstakademie Meisterschüler bei Tony Cragg war.

Prominent aufgestellt

Wegen ihrer prominenten Position in der repräsentativen Vorfahrt des Gebäudes könnte sie über Nachrichtenbilder einmal zum Markenzeichen des BND werden. Jedoch ist eine Verbindung mit dem BND nicht auf dem ersten Blick ersichtlich. Die Skulptur ist keilförmig, der vordere Teil schwebt ausbalanciert über dem Boden. Eine Interpretationshilfe gibt es von der Jury, die die Skulptur auserwählte: „Der Ernst und das Gewicht der Arbeit des BND und seiner Tätigkeit in Zonen von Instabilität und Gefahr finden ihren Ausdruck im scheinbar drohenden Kippen des Objektes“. Der Künstler selbst sieht in seinem Werk die Aufgabe des Nachrichtendienstes widergespiegelt: „Das Unbekannte aufklären und die eigenen Geheimnisse bewahren“.

Schwieriger Transport

Rund 600 Künstler hatten 2008 ihre Vorschläge für die Ausschreibung eingesandt, neben „o.T“ wurden noch sechs weitere Projekte rund um den BND-Neubau realisiert. Ca. 500.000 Euro wurden für das 20 Meter lange und 10 Meter hohe Werk benötigt. Dass die Herstellung eines solches Kolosses schwierig ist, versteht sich von selbst. Denn Künstler Sous musste sich zunächst eine geeignete Firma suchen, die das Objekt nach seinen Vorstellungen produzieren konnte. Diese Arbeit übernahm die Brückenbaufirma Heinrich Rohlfing GmbH in Stemwede bei Osnabrück. Dort wurden die bereits vorgewölbten Stahlbleche aus sechs Millimeter starkem Cortenstahl zusammengefügt.

Noch schwieriger war jedoch der Transport nach Berlin: Da der ursprüngliche Plan, die Skulptur per Schiff nach Berlin zu bringen, aufgrund von zu niedrigen Brücken scheiterte, musste eine Ersatzlösung her. Daher teilte der Künstler die Skulptur in zwei Teile, ehe sie nachts auf zwei Tiefladern nach Berlin gebracht wurde. Nach erfolgreicher Aufstellung wartet sie nun darauf, das Gesicht des BND zu werden.

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Über die Autorin: Eva Hinz studiert Sozialwissenschaften an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und hat 2014 ein Praktikum in der Öffentlichkeitsabteilung der WV Stahl absolviert.


Foto: Ulrich Schwarz/Schwarz | Architekturfotografie

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Tags
Kunst und Design
Stahlanwendung

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4 Kommentare:

  • DirkH sagt:

    Ei da haben wir aber was hibsches gebastelt. Hat bestimmt eine Aussage oder sowas. Da bezahlt man ja gerne seine Steuern fuer. Chapeau! Selten so einen grossen komischen Stahlklotz gesehen. Versteht nur die IQ-Elite. Zu kompliziert fuer uns arbeitende Menschen.
    Fuer 5 Euro haette man von einem Berliner Asozialen da alles genauso sinnlos vollgesprueht gekriegt. Stempel drauf, Kunst, fertig.

  • Christian Pürschel sagt:

    Das Werk erinnert mich an das Schaffen von Tony Cragg. Gleichzeitig formt Sous hier Stahl nach seinen eigenen Vorstellungen. Steel meets Art, eine phantastische Kombination mit Potential.

  • chrispyco sagt:

    Beeindruckend ! Man könnte meinen das sich Kunst am Bau nur noch mit Corten-Stahl beschäftigt.Liegt es am manchmal schwerfälligem Geschmack in Deutschland ? Für 500,000 Euro hätte ich ein bißchen mehr erwartet.Spiegelt evtl. den Jurygeschmack solch einer Institution wieder.