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Samstag, 18. November 2017
COP21
6. Oktober 2015 | 16:06

Klimaschutz? – Ja, aber bitte verbindlich und für Alle!

Auf der internationalen Klimakonferenz in Paris wird verhandelt, wie eine gemeinsame, von allen Staaten mitzutragende Klimavorsorge aussehen kann. Ziel ist es, die Erderwärmung unter zwei Grad zu halten.

Der Pariser Gipfel ist für die Stahlindustrie in Deutschland und Europa deswegen vom großen Interesse, weil die Branche in einem intensiven globalen Wettbewerb steht und deswegen faire Konkurrenzbedingungen auf dem internationalen Markt braucht. Vom fairen Wettbewerb kann man in einer energieintensiven Branche aber nur dann sprechen, wenn alle Produktionsstandorte weltweit vergleichbaren Kosten und regulativen Anforderungen aus der Klimapolitik unterliegen. Deswegen darf Paris nicht nur symbolisch dem Klimawandel entgegen treten. Es müssen endlich weltweit verbindliche Vereinbarungen getroffen werden.

Die Stahlindustrie in Deutschland steht zu ihrer Verantwortung für den Klimaschutz. Sie beteiligt sich in vielfacher Hinsicht an den Anstrengungen der Klimavorsorge. Sie will keinen Freifahrtschein beim Klimaschutz und ist bereit, im Rahmen der technischen und wirtschaftlichen Möglichkeiten ihre CO2-Emissionen zu minimieren und an neuen Verfahren zu forschen. Es gehört jedoch auch zur Wahrheit, dass die Stahlindustrie aufgrund ihrer prozessbedingten Emissionen heute kaum noch technische Möglichkeiten zu Reduzierung hat. Einseitige Kürzungen in der Zuteilungen von Zertifikaten können also nicht aufgefangen werden.

Der Emissionshandel gefährdet eine ganze Branche

Wenn die Branche jedoch derart massive Kosten auferlegt bekommen sollte, wie sich dies durch die Emissionshandelspläne der EU-Kommission abzeichnet, wäre ihre Existenz gefährdet – denn die Wettbewerber außerhalb Europas hätten diese Belastungen nicht.

Der Emissionsrechtehandel in Europa darf nicht eine Insellösung bleiben. Er muss zu gleichen Bedingungen auf die globale Ebene ausgeweitet werden. Um aber auch die wichtigen Stahlstandorte außerhalb Europas – und hier vor allem auch die Schwellenländer mit Interesse an industriellem Wachstum – ins Boot zu holen, muss die EU unter Beweis stellen, dass der Emissionsrechtehandel mit industrieller Wettbewerbsfähigkeit vereinbar ist. Dies erfordert, die Regelungen für die vierte Handelsperiode nachhaltig auszugestalten, und ungerechtfertigte Kostenbelastungen für die effizientesten Anlagen zu vermeiden.

Unsere Unternehmen versprechen sich von Paris, dass die internationale Gemeinschaft solidarisch im Sinne eines effektiven Klimaschutzes handelt und sich auf vergleichbare Minderungsbeiträge verständigt. Sie hoffen, dass der Klimagipfel ein erster, aber entscheidender Schritt, in Richtung eines internationalen Emissionsrechtehandels wird. Sie wünschen sich von der EU und der deutschen Bundesregierung, dass sie auf die internationale Entwicklung pragmatisch reagieren und den Wegfall einer soliden industriellen Basis hierzulande nicht zulassen.

Der Beitrag ist im Rahmen der Reihe #stahlundklima erschienen.

KerkhoffÜber den Autor: Hans Jürgen Kerkhoff ist Präsident und Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung Stahl und Vorsitzender des Stahlinstituts VDEh.

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Energie und Umwelt

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