stahl-blog.de - Stahl im Fokus

Samstag, 18. November 2017
COP21
18. November 2015 | 12:26

Klimapolitik vorantreiben und auf fairen Wettbewerb achten

Klimaschutz ist ein globales Anliegen. Auch Stahlunternehmen agieren global, denn Stahl und Produkte aus Stahl werden weltweit gehandelt. Internationaler Handel und Klimaschutz können Hand in Hand gehen, wenn die Produktion dort stattfindet, wo sie unter besonders ressourcenschonenden Bedingungen erfolgt. Widersprüche entstehen dagegen, wenn Klimapolitik international nicht abgestimmt ist und keine Rücksicht auf die industrielle Wettbewerbsfähigkeit nimmt.

Deutschland und Europa verstehen sich als Vorreiter des globalen Klimaschutzes. Die EU hat bereits 2005 einen CO2-Handel etabliert. Deutschland treibt die Energiewende voran. Nirgendwo auf der Welt genießt das Thema Klimaschutz eine vergleichbare gesellschaftliche Unterstützung und politische Relevanz.

Die Umsetzung einer ambitionierten Klima-Agenda war bisher auch deswegen möglich, weil die Unternehmen stets die Bereitschaft gezeigt haben, ihre Prozesse zu optimieren. So standen und stehen auch zukünftig Bemühungen zur Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz, aber auch die Anwendung neuer Technologien im Fokus der Stahlindustrie. Damit ist der Stahlstandort Europa heute der modernste und nachhaltigste weltweit. Die Kehrseite dieses Erfolges ist, dass die Verbesserungspotenziale immer kleiner werden. Je mehr Umweltinnovationen umgesetzt wurden, desto kostspieliger und technisch aufwendiger ist es, weitere Schritte zu gehen.

Einseitige Klimaverpflichtungen schaden Stahlindustrie und Klima

Verschärft die Politik die klimapolitischen Instrumente – etwa durch knappere und teurere CO2-Zertifikate oder höhere Strompreise – steigen für die Unternehmen die finanziellen Belastungen aus dem Klimaschutz. Erfolgt die Verschärfung nur an manchen Stahlstandorten der Welt, haben die Unternehmen aus diesen Regionen höhere Kosten zu tragen als ihre fernen Konkurrenten.

Diese Kosten können auf offenen Märkten nicht an die Kunden weitergegeben werden. Dies gilt insbesondere auch für die Stahlindustrie, wo die Wettbewerbsintensität in den letzten Jahren und Monaten sich stetig und dramatisch verschärft hat. Ein wesentlicher Grund dafür waren Überkapazitäten in Ländern wie China, die auch klimapolitisch erheblichen Nachholbedarf haben. Werden die finanziellen Spielräume der betroffenen Unternehmen eingeschränkt, geht dies zulasten der Forschung und gefährdet die Investitionen. Damit werden den Unternehmen die Grundlagen entzogen, sich langfristig auf den Märkten zu behaupten, aber auch ihre Effizienz zu steigern und klimafreundliche Produkte zu entwickeln. In der Konsequenz wird emissionsintensive Produktion dorthin verlagert, wo weniger strenge Regeln gelten. Dieses „Carbon Leakage“ führt weltweit zu steigenden Emissionen und schadet damit dem globalen Klimaschutz. Solche Widersprüche können nur vermieden werden, wenn Klimapolitik auch die Rückwirkungen auf die industrielle Wettbewerbsfähigkeit mit berücksichtigt. Klimaschutzinstrumente auf verschiedenen politischen Ebenen müssen so ausgestattet und aufeinander abgestimmt sein, dass ein Level-Playing Field für emissionsintensive Industrien weltweit etabliert wird.

Der Beitrag ist im Rahmen der Reihe #stahlundklima erschienen.

 

TheuringerMarin DrÜber den Autor: Dr. Martin Theuringer leitet das Geschäftsfeld Wirtschaft in der Wirtschaftsvereinigung Stahl.


Beitragsbild: Die Wettbewerbsfähigkeit bei steigenden Energiekosten erhalten – für die Stahlindustrie ein Drahtseilakt.

Drucken:
Teilen:

Tags
COP21
Energie und Umwelt
Wettbewerbsfähigkeit

Hinterlassen Sie einen Kommentar: