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Samstag, 18. November 2017
8. Juli 2014 | 11:20

Interview: Hochfeste Leichtigkeit

| Gespräch mit Steffen Reiche (Volkswagen) |

Autos sollen komfortabel und sicher sein – und gleichzeitig möglichst wenig Kraftstoff verbrauchen. Eine Lösung: Leichtbau mit Stahl. Steffen Reiche, Leiter der Planung Marke Volkswagen, erklärt, wie diese Strategie bei der Karosserie des Golf VII umgesetzt wurde.

Leichtbau ist eines der ganz großen Themen in der Automobilindustrie. Beim Golf VII setzte VW dazu auf den Werkstoff Stahl – und nicht etwa auf Aluminium oder CFK. Warum?

Volkswagen Sachsen GmbH, Fahrzeugwerk Zwickau/Golffertigung, Montage

Montage der Motorhaube des VW Golf VII.
© Volkswagen Media Services

Aktuell sind unsere Fertigungsanlagen auf den wirtschaftlichen Stahlbau in Großserie ausgelegt. Unsere Prämisse beim Golf war es den Spagat zwischen Erreichung von Leichtbauzielen und der Rentabilität zu schaffen. Gestiegene Kundenansprüche an Fahrdynamik und Sicherheit konnten wir durch den Einsatz von hochfesten warmumgeformten Stählen erreichen, die bei verringertem Gewicht eine höhere Festigkeit aufweisen.

Stahl wird schon seit Jahrzehnten im Automobilbau eingesetzt. Welche Gründe gibt es für den vermehrten Einsatz der hochfesten Stahlsorten?

Wir beschäftigen uns seit mehreren Jahrzehnten mit alternativen Werkstoffen und suchen diejenigen, die unseren harten Kriterien zum Einsatz in einem Fahrzeug entsprechen. Hierbei die Balance zu schaffen zwischen Gewichtseinsparung und Großserienfähigkeit weltweit, d.h. Kosten und Qualität, ist eine der größten Herausforderungen. Eine stetige Optimierung unserer Fertigung und kontinuierliche Weiterentwicklung der Technologien für Warmumformung sind der Grundstein für die einmalige Qualität des Golfs.

Was genau ist die Warmumformung? Was zeichnet die Technik aus?

Handling einer auf 940 °C erwärmten Platine für die nachfolgende Umformung. © Volkswagen Media Services

Handling einer auf 940 °C erwärmten Platine für die nachfolgende Umformung. © Volkswagen Media Services

Warmumformung ist ein Prozess, bei dem die Blechplatinen auf 940 Grad Celsius aufgeheizt, gepresst und dann innerhalb von fünf Sekunden auf 200 Grad Celsius abgekühlt werden. Durch dieses Verfahren erreichen wir extrem hohe Festigkeiten bei sehr dünnen Blechen, die in sicherheitsrelevanten Bauteilen zum Einsatz kommen und mit konventionellen Produktionsanlagen im Karosseriebau, inklusive der Fügetechnologien, verarbeitet werden können.

Wohin geht der Trend beim Thema Karosserie-Leichtbau? Bleibt Stahl auch in Zukunft der Werkstoff der Wahl?

Der Werkstoff Stahl wird aufgrund der Wirtschaftlichkeit auch in Zukunft eine bedeutende Rolle einnehmen. Volkswagen entwickelt in Technologieprojekten gezielt hybride Werkstoffe und Mischbaukonzepte für den mittel- und langfristigen Einsatz in unseren Fahrzeugen. So z.B. die Verwendung von Leichtblech in einer Fronthaube beim Polo WRC. Auch die Ökonomie alternativer Werkstoffe, wie Aluminium, Kunst- und Naturfaser stehen immer wieder auf dem Prüfstand. Gerade aus produktionstechnischer Sicht sind diese Materialen eine strategische Schlüsselaufgabe der wir uns stellen.

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Steffen_Reiche_VWSteffen Reiche leitet seit über einem Jahr die Planung Marke Volkswagen. Zuvor war er Fertigungsleiter im Volkswagen Werk Bratislava.


Header: Karosseriefertigung des VW Golf VII. © Volkswagen Media Services

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