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Dienstag, 30. August 2016
COP21
7. Dezember 2015 | 09:00

Globaler Klimaschutz – nur mit Chinas Beteiligung

Globaler Klimaschutz ist ohne China wirkungslos. Im Vorfeld des Pariser Gipfels verkündet das Land mehr Engagement – und will doch bis 2030 mehr CO2 ausstoßen als je zuvor. Hinzu kommt, dass China viel mehr Stahl produziert, als es braucht – unter hohen Umweltbelastungen.

Emissions-Weltmeister

China verantwortet 30 Prozent des globalen CO2-Ausstoßes. Seit 1990 stiegen die chinesischen CO2-Emissionen um mehr als 280 Prozent. Mit Blick auf das neue Klimaabkommen sagt China erst ab 2030 Emissionssenkungen zu. Bis dahin strebt das Land lediglich eine Abkopplung zwischen Emissionen und Wirtschaftswachstum an: Die Emissionen sollen um 60 bis 65 Prozent im Verhältnis zum (steigenden) BIP sinken – das allerdings gemessen am besonders schadstoffreichen Jahr 2005. Damit liegt China weit hinter der EU zurück, die eine CO2-Reduktion von 40 Prozent bis 2030 zugesagt hat.

Stahlmacht Nummer 1

China ist der größte Stahlproduzent weltweit. Die Produktionskapazitäten übersteigen jedoch die Inlandsnachfrage um knapp 400 Millionen Tonnen. Die Überhänge werden ins Ausland exportiert – die Exporte sind im vergangenen Jahr um 50 Prozent angestiegen. 94 Prozent der Stahlproduktion erfolgt über die Hochofenroute, nur 6 Prozent über die emissionsärmere Elektroofenroute. In Deutschland liegt das Verhältnis bei 69 zu 31 Prozent. Staatliche Unterstützungen ermöglichen es chinesischen Herstellern, Stahl zu Dumpingpreisen anzubieten.

Wie geht es weiter?

In die EU werden dieses Jahr 6 Millionen Tonnen Walzstahl aus China importiert. Diese Importe sind in den letzten drei Jahren um 130 Prozent angestiegen. Das Ende dieser Tendenz ist nicht in Sicht, u.a. weil der chinesische Markt seinen Sättigungspunkt überschritten hat und die Knsolidierung der chinesischen Stahlindustrie nicht in Gang kommt. Doch auch in puncto nachhaltige Industrieproduktion sind die Prognosen nicht unbedingt optimistisch. China führt bisher keine transparente Datenerfassung zum Energieverbrauch und CO2-Emissionen durch. Auch deswegen ist es unklar, wie effektiv die jüngsten Emissionshandelsinitiaiven sein werden. Außerdem ist industriepolitische Governance weiterhin in den Händen von Regionen und lokalen Behörden. Von denen wird abhängen, ob die Zusagen der Zentralregierung tatsächlich auch mehr Engagement der chinesischen Industrie für das Klima bringen werden.

Links

Der Beitrag ist im Rahmen der Reihe #stahlundklima erschienen.

HoemannÜber die Autoren: Roderik Hömann leitet das Berliner Büro der Wirtschaftsvereinigung Stahl.

 

 

TheuringerMarin DrDr. Martin Theuringer leitet das Geschäftsfeld Wirtschaft der Wirtschaftsvereinigung Stahl.

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