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Montag, 27. Juni 2016
COP21
28. Oktober 2015 | 08:00

„Ganze Wertschöpfungsketten im Auge behalten“

| Ein Gastbeitrag von Prof. Dr. Roland Döhrn |

Prof. Dr. Roland Döhrn vom Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung erklärt, warum die Stahlindustrie so wichtig für die deutsche Wirtschaft ist und warum die Politik die Leistungsfähigkeit der industriellen Cluster nicht beeinträchtigen soll. Fingerspitzengefühl ist bei den Instrumenten der Klima- und Energiepolitik gefragt. Diese riskieren, die Stahlherstellung in Deutschland unwirtschaftlich zu machen.

Es ist gewissermaßen das Schicksal von Grundstoffindustrien, dass sie auf den ersten Blick wenig bedeutsam erscheinen. Bei näherem Hinsehen zeigt sich aber, dass sie oft den Ausgangspunkt von Wertschöpfungsketten bilden, die für Volkswirtschaften von essentieller Bedeutung sind.

Dies gilt in besonderem Maße für die Stahlindustrie und ganz speziell für die deutsche Wirtschaft. Diese hat sich nämlich auf stahlintensive Güter wie Maschinen, elektronische Ausrüstungen und Kraftfahrzeuge spezialisiert. In einem Euro Exporterlös stecken so im Durchschnitt – direkt oder indirekt – etwa 16 Cent, die in der Stahlindustrie und den ihr nachgelagerten metallverarbeitenden Industrien erwirtschaftet wurden. Hier existiert ein funktionierendes Produktionscluster, in dem Stahlerzeuger und Exporteure gemeinsam Lösungen suchen, wie sie die Wettbewerbsfähigkeit der Exportgüter sichern können.

Bis zu einem gewissen Grad sind solche Cluster robust: Kein Unternehmen wird seinen Produktionsstandort verlagern, wenn unklar ist, ob es dort auch Zulieferungen in der gewünschten Qualität erhält. Allerdings sollte die Politik bei ihren Entscheidungen solche Wertschöpfungsketten im Auge haben. Verteuert sich die Herstellung von Stahl in Europa, könnte es nicht dabei bleiben, dass manche Stahlverwender auf preisgünstigeren Importstahl ausweichen. Da deren Kunden ohnehin oft im Ausland sitzen, könnte es wirtschaftlich noch reizvoller werden, die gesamte Produktion näher an die Kunden zu verlagern.

Der Beitrag ist im Rahmen der Reihe #stahlundklima erschienen.

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roland_doehrnÜber den Autor: Prof. Dr. Roland Döhrn ist Ökonom und leitet den Kompetenzbereich „Wachstum, Konjunktur und Öffentliche Finanzen“ am Rheinisch-Westfälischen Institut für Wirtschaftsforschung in Essen.

 

 

 

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