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Montag, 24. September 2018
7. März 2018 | 16:53

Europa muss sich gegen Protektionismus der USA wehren

US-Präsident Donald Trump hat am 1. März 2018 die Einführung protektionistischer Maßnahmen gegen Stahlimporte unter dem Deckmantel der nationalen Sicherheit angekündigt. Vorgesehen ist ein pauschaler Wertzoll in Höhe von 25 Prozent auf alle Stahlimporte.

Mit diesem einseitig protektionistischen Eingriff in den internationalen Handel zielt die US-Regierung darauf ab, ihrer Stahlindustrie künstliche Wettbewerbsvorteile zu verschaffen. In Summe sollen die US-Stahlimporte gegenüber 2017 um 13 Millionen Tonnen verringert werden, um die eigene Kapazitätsauslastung zu erhöhen. Ein Vorgehen, welches nicht mit dem geltenden Recht der Welthandelsorganisation (WTO) vereinbar und daher abzulehnen ist.

Für die Stahlindustrie in Deutschland und Europa werden die Folgen dramatisch sein. Ein Zoll in Höhe von 25 Prozent würde den wichtigen US-Markt vermutlich vollständig für deutsche Anbieter schließen. Zudem ist damit zu rechnen, dass auch andere Märkte nachziehen, weil es zu Nachahmungseffekten kommen würde. Das Hauptproblem für die Stahlindustrie in Deutschland und Europa ist jedoch Handelsumlenkung. Absatz- und Abnehmerstrukturen zwischen den USA und der EU bzw. Deutschland ähneln sich. Eine breitflächige Umlenkung der Handelsströme in die EU ist also wahrscheinlich. Eine erneute Eskalation der Importkrise in die EU scheint damit unvermeidbar.

Blickt man auf die möglichen Folgen, so wird deutlich, dass die Vereinigten Staaten nicht nur anderen Volkswirtschaften schaden, sondern auch sich selbst. Als traditioneller Netto-Stahlimporteur ist die verarbeitende US-Industrie auf Stahlimporte zur Wahrung der Wettbewerbsfähigkeit angewiesen.

Die USA sind weltweit größter Nettoimporteur von Stahl

 

Entscheidendes Handeln der EU gefragt

Die EU-Kommission hat am 7. März eine entschiedene Reaktion auf das Inkrafttreten der US-Zölle angekündigt, die aus drei WTO-konformen Maßnahmen bestehen könnte. Eine Klage vor der Welthandelsorganisation (WTO), eigene Schutzzölle auf Stahl und Aluminium sowie Strafzölle auf verschiedene US-Exportgüter. Diese Schutz- und Strafzölle würden innerhalb von zwei Monaten in Kraft gesetzt werden können.

Im Fokus stehen dabei für die Stahlindustrie Schutzzölle (Safeguardmaßnahmen). Dies ist das einzige WTO-konforme Instrument, mit dem sich Handelsumlenkungen vermeiden lassen.

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KerkhoffÜber den Autor: Hans Jürgen Kerkhoff ist Präsident und Hauptgeschäftsführer der Wirtschaftsvereinigung Stahl und Vorsitzender des Stahlinstituts VDEh.


Beitragsbild: worldsteel / Robert Kolykhalov

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Außenhandel
Section 232
Überkapazitäten

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5 Kommentare:

  • Customwritings sagt:

    Hier scheinen die ersten protektionistischen Maßnahmen (Strafzölle auf kanadisches Holz) nach nicht einmal einem Jahr bereits erste zarte Pflänzchen zu treiben. Nicht zum ersten Mal sind seither miese Immobiliendaten zu verzeichnen. Selbst verschuldete sinnlose Steigerungen der Baupreise, hoffnungslose Überschuldung und steigende Zinsen, um diese Überschuldung nahtlos in Insolvenz weiterzuführen: America great again!

  • christian sagt:

    Danke für das Harfenbild ?

  • heinz bieber sagt:

    guten abend, vielen dank für ihre tollen Informationen.

    1. wieviel stahl exportieren wir nach USA?
    2. wieviel stahl importieren wir von den USA?
    3. wieviel stahl exportiert die gesamte EU nach USA?
    4. wieviel stahl importiert die gesamte EU von den USA?

    vielen dank für ihre schnelle rückmail. gruss Heinz bieber