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Donnerstag, 17. August 2017
22. März 2017 | 10:15

Erfolgreiche Kreislaufwirtschaft: Aus weniger mehr machen

Recycling hat in der Stahlindustrie in Deutschland eine lange, erfolgreiche Tradition. Das lineare „Nehmen-Herstellen-Wegwerfen“-Modell wird zunehmend durch die Kreislaufwirtschaft ersetzt. Der Werkstoff Stahl geht dabei als Recycling-Experte mit gutem Beispiel voran.

Die Bundesregierung hat sich den verantwortungsbewussten und ökonomischen Umgang mit Ressourcen auf die Fahnen geschrieben. Wie Kreislaufwirtschaft erfolgreich funktioniert und wie man aus weniger mehr macht, können die Entscheider am Beispiel Stahl erfahren – solange die Politik die Weichen richtig stellt und Effizienz nicht bestraft.

Wertvolles Recycling

Wenn von Stahl und seinen Recycling-Eigenschaften die Rede ist, sprechen Experten von „Permanent Material“. Denn der Werkstoff ist, anders als die meisten Materialien, beliebig oft, zu 100 Prozent und ohne Qualitätsverluste wiederverwertbar. Stahl wird nicht verbraucht, sondern immer wieder neu genutzt. Im Kreislauf entsteht aus Schrott qualitativ hochwertiger Stahl. Auch deshalb ist Stahl das am meisten recycelte Material, allein in Deutschland sind es pro Jahr rund 22 Millionen Tonnen, so viel wie rund 3.000 Eiffeltürme.

Alle Stahlprodukte lassen sich wiederverwerten, von der Büroklammer bis zum Schiffsrumpf. Top-Werte bei der Wiederverwertungsrate erzielen auch Gebrauchsgegenstände aus Weißblech: Knapp 94 Prozent aller Dosenverpackungen, Kronkorken und Sprühdosen erhalten so ein neues Leben. Je häufiger Stahl recycelt wird, desto kleiner wird sein ökologischer Fußabdruck. Die CO2-Emissionen bei der Herstellung einer Tonne Stahl liegen bei Multirecycling um rund 50 Prozent niedriger als bei der Primärproduktion. Pro Lebenszyklus, hochgerechnet auf die Gesamtlebenszeit einer Tonne Stahl, fallen so weniger als 1.000 Kilogramm CO2 an.

Nützliche Nebenprodukte

Wie sich Ökonomie und Ökologie sinnvoll verbinden lassen, zeigt die Stahlindustrie auch bei der Verwertung hochwertiger Nebenprodukte. Gut 14 Millionen Tonnen Hochofenschlacke, ein begehrter Ersatzbaustoff unter anderem im Straßenbau, fallen als Nebenprodukt der Rohstahlerzeugung in Deutschland an. Insgesamt 95 Prozent der Schlacke werden als Kreislaufstoff erzeugt.

Die Nutzung von Prozessgasen als Energielieferant trägt ebenfalls zur Ressourceneffizienz bei. So werden die bei der Stahlerzeugung entstehenden Kuppelgase für weitere Produktionsstufen und zur Eigenstromerzeugung von 10,9 Terawattstunden verwendet: Moderne Kraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung machen integrierte Hüttenwerke von der Stromversorgung nahezu unabhängig, Überschüsse werden ins öffentliche Netz eingespeist.

Kurzsichtige Politik

Im Interesse der Ressourceneffizienz muss die Politik daher die Kreislaufführung von Nebenprodukten und Sekundärrohstoffen stärker berücksichtigen, als es die Ersatzbaustoffverordnung gegenwärtig vorsieht. Hier drohen den Stahlunternehmen in Deutschland zusätzliche Belastungen in Höhe von bis zu 350 Millionen Euro. Um ihre Rolle als Innovationstreiber weiter ausfüllen zu können und wettbewerbsfähig zu bleiben, braucht die Stahlindustrie geeignete politische Rahmenbedingungen. Es hilft weder der deutschen Wirtschaft noch dem Weltklima, wenn ausgerechnet die Stahlindustrie in Deutschland mit ihrer herausragenden Energie- und Ressourceneffizienz aus dem Markt gedrängt würde. Der Stahl käme dann aus Ländern, die eine weit schlechtere Energie- und Ressourcenbilanz aufweisen.

 

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Über die Autorin: Carolin Marienfeld ist Volontärin im Bereich Öffentlichkeitsarbeit im Stahl-Zentrum in Düsseldorf.


Titelbild: EUROFER

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Kreislaufwirtschaft
Recycling
Ressourceneffizienz

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