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Montag, 25. September 2017
27. November 2013 | 16:31

Globale Energiepreisentwicklungen als Herausforderung für den Industriestandort

In ihrer aktuellen Prognose zum Weltenergieverbrauch (world energy outlook) hat die Internationale Energieagentur den Auswirkungen der globalen Energiepreisentwicklungen auf die Industrieregionen ein eigenes Kapitel gewidmet. Dies allein zeigt, dass Energiefragen für Volkswirtschaften zunehmend einen strategischen Charakter haben. Bis 2035 prognostiziert die Agentur eine Abnahme des europäischen Anteils an den Weltexportmärkten für energieintensive Güter von 36 auf 26 Prozent, während China, Indien, insbesondere aber auch die Vereinigten Staaten hier zulegen.

Auswirkungen auch für nachgelagerte Wertschöpfungsketten

Diese Prognose sollte zu denken geben. Die Verteuerung der energieintensiven Grundstoffproduktion droht dem Bericht zufolge nicht nur zu Verlagerungen dieser Industriezweige zu führen, sondern wirkt sich auch indirekt auf die Wettbewerbsfähigkeit nachgelagerter Wertschöpfungsketten aus – und somit schließlich auf Beschäftigung, Reallöhne und Wirtschaftswachstum. Mit anderen Worten: auf den Wohlstand.

Tatsächlich ist die vertikale Integration der Industrie – mit einem leistungsfähigen Grundstoffsektor als Basis – eine besondere Stärke des Standortes Deutschland. Die stahlbasierten Wertschöpfungsketten stellen 3,5 Millionen Arbeitsplätze. Die enge Vernetzung und Zusammenarbeit zwischen Lieferanten und Kunden bietet große Vorteile beispielsweise bei der Entwicklung von Innovationen.

Um diesen Vorteil zu erhalten, bedarf es international wettbewerbsfähiger Energiepreise. Mit dem schnellen Ausbau erneuerbarer Energien stellt Deutschland seine Energieversorgung radikal um. Der Anstieg der Umlage für erneuerbare Energien macht aber auch die Kosten dieses Projektes zunehmend sichtbar. Entlastungen energieintensiver und im internationalen Wettbewerb stehender Industrien von diesen Kosten sind eine wichtige Maßnahme, um die industrielle Leistungsfähigkeit auf Dauer zu bewahren.

Aspekt der Wirtschaftlichkeit beachten

In der Konkurrenz der Systeme muss sich die Energiewende als Erfolgsmodell noch beweisen. Andere Länder schlagen andere Wege ein. Die USA setzen auf die großflächige Erschließung von Schiefergas, Großbritannien auf Kernenergie. Bei der weiteren Ausgestaltung der Energiewende muss daher der Aspekt der Wirtschaftlichkeit mehr Beachtung finden.

Der Stahldialog „Energiewende und industrielle Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Kontext“ auf der Veranstaltung STAHL 2013 am 28. November 2013 beschäftigte sich ebenfalls mit diesem Thema. Weitere Informationen unter www.stahl2013.de

Links

World Energy Outlook der International Energy Agency (IEA)

HoemannÜber den Autor: Roderik Hömann leitet das Hauptstadtbüro der Wirtschaftsvereinigung Stahl und ist insbesondere zuständig für den Bereich der Energie- und Klimapolitik.

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