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Samstag, 21. Oktober 2017
COP21
27. November 2015 | 14:06

Emissionshandel – Fingerspitzengefühl ist gefragt

Die EU-Kommission hat eine Verschärfung des Emissionsrechtehandels vorgeschlagen. Dabei ist klar: Die Verknappung der Emissionsrechte in Europa bringt dem globalen Klimaschutz wenig. Die Stahlindustrie fordert Fingerspitzengefühl bei der Gestaltung des Instrumentes.

Bereits die dritte Handelsperiode des EU-Emissionsrechtehandels brachte für die Stahlindustrie erhebliche Änderungen: Die Zertifikate wurden durch die Marktstabilisierungsreserve und den Korrekturfaktor knapper und dadurch teurer. Um kostenlose Zertifikate zu bekommen, muss die Branche CO2-Richtwerte erfüllen, die außerhalb des Realisierbaren liegen. Die aus der Wirtschaftskrise übrig gebliebenen Zertifikate werden bis 2017 verbraucht sein. Ab 2021 wird es dann noch strenger – die Zertifikate werden jährlich um 2,2 Prozent gekürzt.

Emissionshandel 2030 und die Stahlindustrie

Wenn die EU-Kommission ihre Pläne durchsetzt, fehlen der Stahlindustrie im Jahr 2030 40 Prozent der Emissionsrechte. Hinzu kommen Strompreissteigerungen, die sich aus dem Emissionshandel ergeben. Insgesamt rechnet die Branche mit einer Mehrbelastung von knapp einer Milliarde Euro im Jahr 2030. Das ist fast so viel, wie viel die Stahlindustrie in Deutschland jährlich in neue Anlagen, Infrastruktur und Forschung investiert. Ohne diese Investitionen kann sie ihre Position im internationalen Wettbewerb nicht halten. Stahlproduktion wird in der EU unwirtschaftlich.

Eine weitsichtige Klimastrategie für die EU

Eine nachhaltige industrielle Basis einseitig – also nur in der EU – finanziell zu belasten, hilft dem Weltklima überhaupt nicht. Die Gefahr, dass emissionsintensive Produktion in weniger regulierte Standorte abwandert, ist real und bereits zu beobachten. Solange auf internationaler Ebene keine fairen Mechanismen für CO2-Reduzierung etabliert werden, die mit dem Europäischen Emissionsrechtehandel vergleichbar sind, muss die EU auf die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Grundstoffindustrien Rücksicht nehmen. Die Stahlindustrie will keinen Freifahrtschein für ihre CO2-Emissionen. Sie fordert aber, dass die 10 Prozent effizientesten Anlagen komplett mit kostenfreien Zertifikaten ausgestattet werden. Die Menge der Zertifikate soll sich an der tatsächlichen Produktion orientieren – der Korrekturfaktor ist zu streichen. Auch bei den Benchmarks muss die EU ihr Instrument anpassen, denn Stahlunternehmen haben nach heutigen technologischen Möglichkeiten keine CO2-Vermeidungsoptionen. Schließlich soll die heute praktizierte Strompreiskompensation auch über 2020 hinaus beibehalten werden.

Der Beitrag ist im Rahmen der Reihe #stahlundklima erschienen.

Portrait_Claudia_Conrads_2015_140x194Über die Autorin: Dr. Claudia Conrads leitet das Brüsseler Büro der Wirtschaftsvereinigung Stahl.

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