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Donnerstag, 14. Dezember 2017
23. November 2017 | 17:05

Edelstahl Rostfrei schützt das Grundgesetz

Nach den gescheiterten Jamaika-Sondierungen wird sicherlich häufiger und genauer als üblich ins Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland geschaut. Was viele jedoch nicht wissen: Die Originalausgabe auf Mikrofilm befindet sich, geschützt von einem Spezialfass aus Edelstahl Rostfrei, in 400 Metern Tiefe in einem alten Bergwerksstollen im Schwarzwald.

Als durchaus idyllisch lässt sich die Lage des zentralen Langzeitarchivs der Nation bezeichnen. In der beschaulichen Gemeinde Oberried mit 2.800 Einwohnern lagert das „Gedächtnis der Nation“ in einem seit 1954 stillgelegten Silberbergwerk. Über eine Milliarde auf Mikrofilm kopierte Unikate sind aktuell dort platziert. Jedes Jahr kommen 1,5 Millionen weitere hinzu. Und mit ihnen die stählernen Schutzbehälter.

„Unter Tage“ herrschen ideale Bedingungen

Die Wahl für den „Zentralen Bergungsort der Bundesrepublik Deutschland“ fiel nicht zufällig auf den Barbarastollen. Er gilt als einsturzsicher und die Temperatur beträgt konstante 10 Grad Celsius  bei einer relativen Luftfeuchtigkeit von rund 70 Prozent. Das sind optimale Bedingungen für die Langzeitlagerung der Mikrofilme. Zudem spricht die Lage abseits von strategisch wichtigen Ballungs- und Industrieregionen ebenfalls für den Bergungsort.

Werkstoff Know-How schützt Erinnerungen

Dicht an dicht: Über 31.347 Kilometer Mikrofilm befinden sich in mehr als 1.500 luftdicht verschlossenen Spezialfässern aus Edelstahl Rostfrei. (Foto: © WZV / Preuss, BBK)

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) setzt bei der Sicherung der 35 Millimeter Polyesterfilme, die auch noch nach 1.500 Jahren noch lesbar sein sollen. Geschützt sind die aufgerollten Filme durch einen Edelstahlbehälter. Ein spezielles Verfahren sorgt dafür, dass im inneren der Kapsel ein staub- und schadstofffreies Mikroklima entsteht.

Als Werkstoff für die Behälter wurde 1.4301 gewählt, ein austenitischer Chrom-Nickel-Stahl mit hoher Beständigkeit gegen die im Stollen herrschende Luftfeuchtigkeit. Um seine Korrosionsbeständigkeit noch weiter zu erhöhen, wird er elektropoliert. In den Anfangsjahren wurden die Spezialbehälter noch geschweißt. Schon bald zeigte sich jedoch an den Nähten vereinzelt Rost, sodass eine alternative Fertigungstechnik für diese spezielle Keg-Art entwickelt werden musste. Lösung war die Herstellung im Tiefziehverfahren ohne Schweißnähte. Mit dem Wechsel des Fertigungsverfahrens änderte sich auch das Format der Behälter. 78 statt 65 Zentimeter hoch und mit einem Durchmesser von 43 statt 28 Zentimetern nehmen sie seitdem mehr als doppelt so viel Mikrofilm auf. Passten früher 11.400 Meter in einen Edelstahlbehälter, sind es heute 21.120 Meter. Entsprechend stieg auch das Gewicht und sank der Platzverbrauch. 122 Kilogramm bringt heute jeder dieser geballten Erinnerungsträger auf die Waage, mehr als ein Drittel davon wiegt der Edelstahl. Inzwischen lagern über 31.347 (2016) Kilometer Mikrofilm in mehr als 1.500 dieser luftdicht verschlossenen Edelstahlfässer im Barbarastollen. Jedes Jahr kommen gut zwei Dutzend hinzu.

Ein Stück Verfassungsgeschichte ruht im Stollen

Auch das zentrale Herzstück der deutschen Geschichte – die Originalausgabe des Grundgesetzes auf Mikrofilm – wird somit vor Zerstörung durch Kriege oder Naturkatastrophen geschützt. Hoffentlich kommt es nicht so weit. Aber wenn, dann ist dies schon ein beruhigendes Gefühl. Und wer weiß? Vielleicht findet sich auch in Zukunft das ein oder andere Dokument aus der aktuellen politisch spannenden Zeit im Barbarastollen wieder.

 

Portrait Bender 2015Über den Autor: Marvin Bender ist im Bereich Kommunikation für politische Themen und die Onlinekommunikation zuständig.


Beitragsbild: © WZV / Pressestelle, BBK

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Edelstahl
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