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Donnerstag, 30. Juni 2016
18. Februar 2016 | 09:42

Die EU muss jetzt ihr handelspolitisches Instrumentarium schärfen

Der Blick auf die Stahlkonjunktur zu Beginn des Jahres 2016 bestätigt die Befürchtungen aus dem vergangenen Jahr. Die Auftragslage in der Stahlindustrie in Deutschland hat sich deutlich verschlechtert. Ausschlaggebend hierfür ist vor allem der rasante Anstieg mutmaßlich gedumpter chinesischer Stahleinfuhren in die EU. Was es jetzt braucht, ist eine Schärfung des handelspolitischen Instrumentariums der EU – auch im Hinblick auf künftige Großwetterlagen in China.

Die (Stahl-)Welt schaut gegenwärtig gebannt nach China: Das gesamtwirtschaftliche Wachstum verlangsamt sich stärker als erwartet, auf dem Stahlmarkt befindet sich die Nachfrage sogar schon im dritten Jahr im Rückwärtsgang. Infolge immer größer werdender Kapazitätsüberhänge in einer Größenordnung von inzwischen über 400 Millionen Tonnen, sind die chinesischen Stahlexporte in nicht für möglich gehaltene Höhen gestiegen und überfordern bei weitem die Aufnahmefähigkeit der Stahlmärkte in der restlichen Welt.

Jede dritte Tonne exportierter Stahl kommt aus China

Seit 2013 haben sich die chinesischen Stahlausfuhren auf 111 Millionen Tonnen (2015) verdoppelt. Mittlerweile kommt jede dritte Tonne Stahl, die weltweit exportiert wird aus China. Von dieser dramatischen Entwicklung ist keine Region der Welt ausgenommen. Zunehmend orientieren sich chinesische Anbieter aber auf den offen EU-Markt. 2015 haben sie ihre Lieferungen nach Europa um 50 Prozent gesteigert, während sie im Durchschnitt „nur“ um 20 Prozent gestiegen sind. In den inzwischen durch Handelsschutzmaßnahmen gut abgesicherten nordamerikanischen Markt haben sie dagegen 2015 um mehr als ein Viertel abgenommen.

Abbau der Überkapazitäten in China kommt nicht voran

Es ist davon auszugehen, dass China auch in Zukunft bemüht sein wird, seine Strukturprobleme zu exportieren, da der Abbau der Überkapazitäten auf dem Stahlmarkt nicht in Gang kommt. Zwar hat die chinesische Regierung zu Beginn des Jahres eine erneute Kapazitätsinitiative angekündigt – so sollen innerhalb der nächsten fünf Jahre 100-150 Millionen Tonnen an Kapazität abgebaut werden – rasche Erfolge werden jedoch, gerade auch vor dem Hintergrund einer rückläufigen Stahlnachfrage, wohl ausbleiben, zumal auch die neue Initiative marktwirtschaftlichen Steuerungsprozessen kaum Raum gibt.

Wirksame Schutzinstrumente notwendig

Angesichts der geschilderten Lage, ist es für die Stahlindustrie in der EU wie auch im Rest der Welt lebensnotwendig, wirksame Schutzinstrumente zur Verfügung zu haben, um flexibel auf Fehlentwicklungen in der chinesischen Wirtschaft reagieren zu können. Dies spricht dafür, die bestehenden Abwehrinstrumente in der EU zu schärfen und damit auch „wetterfest“ zu machen. Geradezu fatal wäre es in diesem Kontext China bereits Ende 2016 den Status eines marktwirtschaftlichen Landes zu verleihen und damit Antidumpingmaßnahmen vollends ihrer Wirkung zu berauben. Dieser „Ritterschlag“ sollte vielmehr davon abhängig gemacht werden, dass China seine Hausaufgaben erledigt, d.h. die bereits von der EU-Kommission formulierten Kriterien müssen erfüllt werden.

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TheuringerMarin DrÜber den Autor: Dr. Martin Theuringer leitet das Geschäftsfeld Wirtschaft in der Wirtschaftsvereinigung Stahl.


 

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