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Donnerstag, 17. August 2017
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15. Oktober 2015 | 11:06

Dekarbonisierung – für die Stahlindustrie eine Illusion

Für die Energiebranche gibt es alternative Produktionsmöglichkeiten - für die Stahlindustrie nicht.

Für die Energiebranche gibt es alternative Produktionsmöglichkeiten – für die Stahlindustrie nicht.

Auf Windenergie umsteigen, kleinere Autos bauen, Gebäude dämmen, Landflächen aufforsten. In vielen Branchen gibt es Alternativen: CO2-freie Verfahren und Produktdesigns, die nicht nur technisch machbar, sondern auch wirtschaftlich sind. Die Stahlindustrie hat in diesem Bereich kaum Handlungsspielräume. Die auf dem G7-Gipfel angekündigte „Dekarbonisierung“ der Wirtschaft bleibt eine Illusion.

Ohne Kohlenstoff wird aktuell kein Roheisen gewonnen und ohne Roheisen gibt es keinen Stahl. Den Eisenerzen, wie sie in der Natur vorkommen, muss Sauerstoff entzogen werden – dafür werden heutzutage kohlenstoffhaltige Reduktionsmittel eingesetzt.

Der Mindestbedarf an Kohlenstoff für die Eisenerzreduktion lässt sich rechnerisch ermitteln. Die Stahlindustrie spricht vom sog. technisch-naturwissenschaftlichen Minimum. Die Hochöfen in Deutschland kommen nun nach jahrelanger Optimierung sehr nah an diese Grenze dran. Eine besondere Herausforderung der heutigen Zeit ist, dass die Qualität der Rohstoffe schlechter wird. Die positiven Effekte der Anlagen- und Prozessverbesserung werden dadurch nivelliert und Emissionen können sogar ansteigen.

Das bedeutet: die 70 Prozent der Stahlproduktion, die über den Hochofen erfolgen, können nach heutigem Wissensstand kaum sauberer werden. Minimale Verschiebungen der Stahlherstellungsrouten zugunsten des emissionsärmeren Elektroofenverfahrens sind in Europa aufgrund der Schrottverfügbarkeit nur in geringen Maßen denkbar. Das wirtschaftlich realisierbare CO2-Minderungspotenzial beträgt nach einer Studie der Boston Consulting Group und des Stahlinstituts VDEh lediglich 10 Prozent. Allerdings nur, wenn sich bis 2050 der Anteil der Elektrostahlroute von 41 auf 44 Prozent steigern ließe.

Stahl ist heute so nachhaltig wie noch nie und er wird immer gebraucht. Einen CO2-freien Stahl wird es in der industriellen Anwendung nicht geben. Dafür hilft der Werkstoff, unsere Welt so effizient zu gestalten, wie nur möglich.

Der Beitrag ist im Rahmen der Reihe #stahlundklima erschienen.

Potrait SprecherÜber den Autor: Marten Sprecher ist Mitarbeiter am Stahlinstitut VDEh und befasst sich dort insbesondere mit dem Thema Energietechnik.

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