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Donnerstag, 14. Dezember 2017
20. November 2013 | 13:25

Automobilbau mit Stahl – ein Auslaufmodell?

Beim Blick in die automobile Fach- und Publikumspresse könnte man meinen, dass der Werkstoff Stahl im Automobilbau nur noch zweite Wahl ist, wenn es um die gegensätzlichen Anforderungen geht, die neue Fahrzeuge erfüllen müssen. So erwecken die Beiträge vieler Medien – vor allem zum Karosserieleichtbau – zunehmend den Anschein, dass Stahl zwar ein bewährter, aber wenig zukunftsweisender Werkstoff ist. Doch ist Stahl wirklich nicht zeitgemäß, um Leichtbau, Sicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit miteinander in Einklang zu bringen?

Analysiert man die Materialzusammensetzung aktueller Fahrzeugkarosserien des Volumensegments, bei denen neben einem möglichst geringen Gewicht Material- und Fertigungskosten eine entscheidende Rolle spielen, ergibt sich ein anderes Bild. Ob Audi A4, BMW 3er, Mercedes C-Klasse, VW Polo oder Golf, um nur einige Modelle der Kompakt- und Mittelklasse sowie des Kleinwagensegments zu nennen: Die Rohkarosserien all dieser Fahrzeuge bestehen nach wie vor aus Stahl – wenn auch wie die des Golf zu 80 % aus hoch- und höchstfesten Stählen, die mit konventionellen Sorten nur noch wenig gemein haben. Volkswagen bestätigt, dass sich Leichtbau mit extrem teuren Materialien wie Aluminium, Magnesium oder gar Karbonfaser-Werkstoffen ausschließt, wenn das Auto für Millionen Menschen bezahlbar bleiben soll. [1]

Doch nicht nur in Sachen Wirtschaftlichkeit ist Stahl vorbildlich, auch seine Umweltverträglichkeit ist einzigartig. Kein vergleichbarer Karosseriewerkstoff lässt sich sowohl primär als auch sekundär mit einem geringeren Energieeinsatz und niedrigeren CO2-Emissionen herstellen sowie immer wieder ohne Qualitätseinbußen recyceln. [2] Die hervorragenden Verarbeitungseigenschaften wie die einzigartige Kombination aus Umformbarkeit, Fügbarkeit und Lackierbarkeit sprechen ohnehin für den Werkstoff Stahl.

Und sein Leichtbaupotenzial? Stahlhersteller, Forschungseinrichtungen und Kunden entwickeln kontinuierlich neue Legierungs- und Verarbeitungskonzepte sowie innovative Fertigungslösungen, die das höhere spezifische Gewicht von Stahl kompensieren. [3, 4, 5] Auch zwei jüngst von WorldAutoSteel veröffentlichte Studien demonstrieren, dass Stahlkarosserien schon bald nicht mehr schwerer als solche aus Aluminium sein müssen. [6]

Damit wird der Werkstoff Stahl auch künftig erste Wahl für die Herstellung leichter, sicherer und vor allem bezahlbarer Autos sein.

Quellen

[1] Presseinformation: Der Golf. WORKSHOP. Das Auto. Presse-Information, August 2012

[2] „Life Cycle Thinking“ (worldautosteel)

[3] Pressemitteilung: ArcelorMittal stellt neue Lösungen für ultraleichte Fahrzeugtüren vor (Arcelor Mittal Deutschland), 2013

[4] Bericht: Euroblech 2012 – Höhepunkte (Salzgitter Flachstahl), 2012

[5] Pressemitteilung: InCar® plus: Lösungen für automobile Effizienz (ThyssenKrupp), 27.06.2013

[6] „Steel Eliminates the Weight Gap with Aluminium for Car Bodies“ (worldautosteel)

Quelle Bild: Volkswagen Media Services

BartosRalphÜber den Autor: Ralph Bartos ist Technischer Referent im Stahl-Zentrum Düsseldorf und dort vor allem für die Themen Stahl im Automobilbau, Mobilität sowie Verarbeitungstechnologien im Bereich der Stahlanwendung zuständig.

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Tags
Automobiler Leichtbau
Karosserieleichtbau
Life Cycle Assessment (LCA)

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5 Kommentare:

  • […] Automobilbau mit Stahl – ein Auslaufmodell? – Beitrag auf stahl-blog.de […]

  • […] Stahl im Automobilbau nur noch die zweite Wahl ist. Ob das wirklich stimmt, prüft Ralph Bartos im ersten Beitrag dieses Blogs und freut sich schon auf Ihre Anregungen und Kommentare. Weitere spannende Beiträge folgen. So […]

  • Frank Preller sagt:

    Am 27. und 28. November 2013 fand in der Robotation Academy auf dem Messegelände das erste Symposium lightweight SOLUTIONS Hannover statt. Thematisiert wurde das gesamte Spektrum des automobilen Leichtbaus vom Fahrzeug bis in seine hochautomatisierte Produktion.
    Anlässlich meines Vortrages „Stahlbasierter Karosserie-Leichtbau für die globale Großserie“ konnte ich mich vielen der über 60 Teilnehmer das Thema diskutieren und mit ihnen gemeinsam feststellen: Stahl bleibt der Werkstoff Nummer 1!

  • Dorothea Bachmann Osenberg sagt:

    Stahl als zukunftsfähiger Werkstoff – da bin ich bei Ihnen. Aber warum immer den Fokus auf Blech/Karosserie? Es gibt noch ungeahnte Leichtbaupotenziale bei den Stahlbauteilen im Pkw. So hat z. B. die Initiative Massiver Leichtbau mit 24 Firmen insgesamt 42kg Leichtbaupotenzial im Antriebsstrang und Fahrwerk ausgemacht (http://www.massiverLEICHTBAU.de). Von solchen Initiativen brauchen wir mehr, die kostengünstige hochfeste Stähle mit sicheren Produktionsprozessen über die gesamten Verarbeitungsstufen betrachten. Stahlhersteller, Umformer und Bearbeiter müssen enger zusammenarbeiten. Die Automobilhersteller und auch die Medien sollten mal über den Blechrand hinaus schauen.

    • Ralph Bartos sagt:

      Vielen Dank für Ihre ergänzenden Ausführungen. In der Tat kommt der Karosserie als größter zusammenhängender Baugruppe sowohl bei den Aussagen der OEMs als auch in der Berichterstattung der Medien eine fast schon dominierende Stellung zu. Auch für meinen Blog-Beitrag habe ich aufgrund der zahlreichen vorhandenen Aussagen zu Leichtbaupotenzial und Kosten zunächst diese Baugruppe ausgewählt.

      Ich kann Ihnen aber schon soviel versprechen – wir werden in diesem Blog im Hinblick auf den automobilen Leichtbau künftig auch Aspekte rund um Fahrwerk und Antriebsstrang aufgreifen.